{"guid":"cc547c85-fb43-5902-83e9-8d88ee30a0f8","title":"Ich sehe was, was Du nicht siehst","subtitle":"Bewertung der Usability freier Web-GIS am Beispiel einer Eyetracking-Studie zum IÖR-Monitor","slug":"fossgis2019-552-ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst-die-bewertung-der-usability-freier-web-gis-am-beispiel-einer-eyetracking-studie-zum-ir-monitor","link":"https://pretalx.com/fossgis2019/talk/8FHRP9/","description":"\u003cp\u003eDie Usability frei zug\u0026auml;nglicher Web-GIS variiert derzeit stark. In einer Usability-Studie wurden Usability-Probleme und Verbesserungspotenziale freier Web-GIS am Beispiel des I\u0026Ouml;R-Monitors im Spannungsfeld zwischen subjektiven Nutzerbewertungen und objektiv gemessenen Eyetrackingdaten ermittelt. Die so entstandene Sammlung von Problemen und L\u0026ouml;sungsvorschl\u0026auml;gen kann w\u0026auml;hrend der Entwicklung oder \u0026Uuml;berarbeitung von Web-GIS oder zugrundeliegender APIs zur Verbesserung der Usability genutzt werden. Obwohl die Bedeutung der Usability in der Geoinformatik bereits bekannt ist, finden sich immer noch GIS mit vielen oder gro\u0026szlig;en Usability-Problemen im Web. Eine gute Usability wird oft als Diskrepanz zu angebotenen Expertenfunktionalit\u0026auml;ten betrachtet. Experten sollten sich in die Nutzung des GIS einarbeiten, um damit Schw\u0026auml;chen in der Usability auszugleichen. Die Anforderungen an die Usability frei zug\u0026auml;nglicher WebGIS erh\u0026ouml;hen sich mit der Vielzahl und Verschiedenartigkeit der Nutzer dieser Anwendungen, wie beispielsweise GIS-Experten oder politische Entscheider. In einer von den Autoren konzipierten und durchgef\u0026uuml;hrten Usability-Studie sollten Usability-Probleme und Verbesserungspotenziale freier WebGIS am Beispiel des I\u0026Ouml;R-Monitors ermittelt werden. Ziele der Studie waren: 1) Die Nutzung und Usability-Anforderungen sowie resultierende Probleme aus der Sicht verschiedener Nutzergruppen zu untersuchen und vergleichen. 2) Unterschiede in der subjektiven und objektiven Usability-Wahrnehmung zu ermitteln, um die Bedeutung der verschiedenen Evaluierungsmethoden, Befragung und Eyetracking, f\u0026uuml;r die Bewertung der Usability eines freien WebGIS festzustellen. 3) Eine strukturierte Sammlung von Usability-Problemen und L\u0026ouml;sungsvorschl\u0026auml;gen zu erarbeiten, die Softwareentwicklungsprozesse, z. B. hinsichtlich Fehlervermeidung, unterst\u0026uuml;tzt. Dar\u0026uuml;ber hinaus soll durch Publikation der Studienergebnisse auch bei Entwicklern freier Softwarebibliotheken das Bewusstsein f\u0026uuml;r die Usability von Webanwendungen der Geoinformatik geschaffen werden, damit Usability-Aspekte bereits im Kern dieser Anwendungen, also in den Softwarebibliotheken selbst ber\u0026uuml;cksichtigt werden. Untersuchungsgegenstand der Studie war der I\u0026Ouml;R-Monitor (https://monitor.ioer.de), ein frei zug\u0026auml;ngliches WebGIS, welches bundesweite Analysen von Siedlungs- und Freiraumentwicklung unterst\u0026uuml;tzt. Die Anwendung wurde 2010 ver\u0026ouml;ffentlicht und kontinuierlich durch Publikation neuer Geodaten und Nutzung neuer Technologien weiterentwickelt. 2018 fand eine ma\u0026szlig;gebliche \u0026Uuml;berarbeitung hinsichtlich Funktionalit\u0026auml;t und Usability statt, bei der das aktuelle WebGIS als Webclient auf Basis von HTML und verschiedener Javascript-Bibliotheken, wie Bootstrap, Leaflet, D3 und jquery, entstand. In der Usability-Studie wurden 28 potenzielle Nutzer des Monitors aus Wirtschaft, Wissenschaft und dem beh\u0026ouml;rdlichen Umfeld auf Grundlage ihrer Ausbildung und beruflichen T\u0026auml;tigkeiten in die Gruppe der GIS-Experten bzw. der Fachanwender eingeteilt. Die Probanden beider Nutzergruppen sollten jeweils drei Aufgaben mit entsprechenden Teilaufgaben zur Visualisierung, Analyse und Nutzung der Ergebnisse in der Anwendung durchf\u0026uuml;hren. Mittels Eyetracking und weiterer Trackingsoftware wurden w\u0026auml;hrenddessen Augenbewegungen (Fixationen (Fokussierungen), Sakkaden (Blickspr\u0026uuml;nge) und Scanpfade) sowie Bearbeitungsdauer und Mausklicks erfasst. In aufgabenspezifischen Frageb\u0026ouml;gen sowie einer abschlie\u0026szlig;enden Befragung wurden dar\u0026uuml;ber hinaus subjektive Eindr\u0026uuml;cke, Anmerkungen und Vorschl\u0026auml;ge der Probanden erfasst. Usability-Probleme beim Erf\u0026uuml;llen einer Aufgabe wurden typischerweise objektiv durch eine lange Bearbeitungsdauer und viele schnelle und verteilte Fixationen gemessen und durch die im Fragebogen entsprechend kritischen Bewertungen untermauert. Insbesondere bei der Beobachtung der Fachanwender zeigten sich aber auch Unterschiede in der objektiven und subjektiven Betrachtung der Usability. W\u0026auml;hrend diese Probanden oft angaben, keine Probleme gehabt zu haben, zeigte die Auswertung der Eyetracking-Daten, dass sie mehrfach Men\u0026uuml;s betrachteten, die nicht zum Erf\u0026uuml;llen der jeweiligen Aufgabe beitrugen. Diese Probanden hatten beispielsweise Probleme in der Einstellung einer vorgegebenen r\u0026auml;umlichen Gliederungsebene, z. B. Gemeinden in Hessen, oder beim Abfragen von Sachinformationen zu einem bestimmten Thema (im Monitor als Indikator bezeichnet). Sie ben\u0026ouml;tigten mehrere Versuche f\u0026uuml;r das Erf\u0026uuml;llen einer Aufgabe, erbaten mindestens eine Hilfestellung oder konnten die Aufgabe sogar gar nicht erf\u0026uuml;llen. Die Unterschiede zwischen subjektiven Fragebogenantworten und objektiv gemessenen Eyetrackingdaten dieser Usability-Studie weisen darauf hin, dass die Usability freier WebGIS vielschichtig betrachtet werden muss. Insbesondere die subjektive Wahrnehmung wenig erfahrener Nutzer kann deutlich von gemessenen Werten abweichen. Bei einer einfachen Nutzerbefragung, wie sie oft aus Kosten- und Zeitgr\u0026uuml;nden w\u0026auml;hrend der Entwicklung freier WebGIS durchgef\u0026uuml;hrt wird, bleiben demnach Usability-Probleme unentdeckt, die mittels Eyetracking schnell ermittelt werden k\u0026ouml;nnen. Unabh\u0026auml;ngig ob GIS-Experten oder Fachanwender wurden gr\u0026ouml;\u0026szlig;ere Usability-Probleme, wie z. B. ein kontrastarmes und bez\u0026uuml;glich der Wahrnehmung ung\u0026uuml;nstig positioniertes Suchfeld oder komplexe \u0026uuml;ber die ganze Anwendung verteilte Interaktionsfolgen, in beiden Probandengruppen gleicherma\u0026szlig;en wahrgenommen. In den Eyetrackingdaten zeigte sich das sukzessive Abscannen der Anwendung und Suchen nach der n\u0026auml;chsten passenden Handlungsoption durch viele Fixationen auf allen Elementen der Nutzeroberfl\u0026auml;chen und durch Sakkaden mit h\u0026auml;ufigen Richtungswechseln. Kleinere Usability-Probleme, z. B. beim Wechsel der Hintergrundkarte, wurden von den GIS-Experten weniger stark wahrgenommen, da sie auf Erfahrungen in der Nutzung anderer GIS zur\u0026uuml;ckgreifen konnten und selbstsicherer, bspw. durch Ausprobieren, die gew\u0026uuml;nschte Aufgabe erf\u0026uuml;llten. Bei der Entwicklung webbasierter GIS f\u0026uuml;r einen breiten Nutzerkreis sollte die Nutzeroberfl\u0026auml;che zun\u0026auml;chst f\u0026uuml;r die Bed\u0026uuml;rfnisse der Nutzer mit den geringsten F\u0026auml;higkeiten und Vorkenntnissen entwickelt werden und eine klare Struktur mit logisch und optisch sortierten Funktionen, z. B. in Toolbars, aufweisen. Ma\u0026szlig;geblich f\u0026uuml;r eine effiziente Nutzung sind auch die Beschriftungen und Piktogramme auf Buttons, sowie deren Gestaltung und Mouseover-Effekte. Dabei ist ein klar formulierter Buttontext einem uneindeutigem und bisher nicht etabliertem Icon vorzuziehen. Die vielschichtigen Ergebnisse der Studie k\u0026ouml;nnen teilweise in folgende Leitlinien zur Entwicklung nutzerfreundlicher freier WebGIS weiterentwickelt werden: 1) Umfangreiche Tabellen, bspw. mit thematischen Informationen zu bestimmten Orten, sollten Sortier- und Filterm\u0026ouml;glichkeiten anbieten. 2) Zeitschieberegler zur Auswahl eines Zeitpunktes f\u0026uuml;r die Visualisierung raumzeitlicher Informationen sollten unterhalb der Karte bzw. falls vorhanden, gruppiert mit anderen Karteneinstellungsoptionen platziert werden. 3) Omni-Suchfelder zur Suche nach r\u0026auml;umlichen und thematischen Informationen sollten optisch hervorgehoben werden und Informationen zu m\u0026ouml;glichen Suchen sichtbar darstellen. 4) Farbschematas, die Nutzer interaktiv ausw\u0026auml;hlen k\u0026ouml;nnen, sollten Regeln der Barrierefreiheit, bspw. zu Farbsehschw\u0026auml;chen, ber\u0026uuml;cksichtigen. Weitere Ergebnisse werden detailliert im Rahmen des Vortrags vorgestellt. In zuk\u0026uuml;nftigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten soll die Praxistauglichkeit der entwickelten Leitlinien \u0026uuml;berpr\u0026uuml;ft werden. Die erarbeiteten Usability-Probleme und L\u0026ouml;sungsvorschl\u0026auml;ge wurden im Usability-Portal (https://usability.geo.tu-dresden.de) der Professur f\u0026uuml;r Geoinformatik erg\u0026auml;nzt und dienen zusammen mit Ergebnissen aus bereits durchgef\u0026uuml;hrten Studien und Workshops als Basis f\u0026uuml;r weiterf\u0026uuml;hrende Untersuchungen und Konzepte zur Weiterverarbeitung des gesammelten Wissens.\u003c/p\u003e","original_language":"deu","persons":["Christin Henzen","Lisa 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